Die Wurzeln der JoinIn-Idee: Vortrag von einem der Initiatoren: Sich selbst als Bürger*innen auf den langen Weg machen und eine Welt mit menschenwürdigen Lebensbedingungen für alle von Unten aufbauen! Oder: Wenn wir etwa Schlechtes oder Unvollständiges überwinden wollen, reicht es nicht, das zu kritisieren: Es gilt: Auch selbst etwas Besseres aufbauen! Das ist unsere Lehre aus der Geschichte!


Die Idee, JoinIn zu starten…….

Bei einem Treffen im März in Ghana beschlossen Mitglieder des Jugend- und Entwicklungszentrums Sunyani (SYDYA) und der beiden Initiativen Black&White in Ghana und Deutschland, anderen Organisationen den Aufbau von JoinIn vorzuschlagen; JoinIn soll eine Plattform werden von und für Initiativen und Netzwerke sein, die auf verschiedenen Ebenen arbeiten, denn: Veränderungen auf lokaler, nationaler, kontinentaler und globaler Ebene sind in unserer globalisierten Welt nötig, um menschenwürdiges Leben für alle erreichen zu können.

Das Selbstverständnis von JoinIn

Wir engagieren uns für die Gestaltung einer Welt mit menschenwürdigen Lebensbedingungen für alle, für eine Welt, in der niemand mehr fliehen muss. Wir regen alle, die für dieses Ziel stehen, an, sich regional, national, kontinental und global zusammenzuschließen zu BürgerInnen-Netzwerken für die Durchsetzung dieser Ziele. Wir wollen den politischen Willen schaffen, als Menschheit überleben zu wollen und dafür sorgen zu wollen, dass weltweit alle gut leben können. Und wir halten Netzwerke von Menschen mit diesem Willen für nötig, die konkreten Maßnahmen erarbeiten, damit aus dem Willen Taten werden.

Wir selbst beginnen die Vernetzung unter dem Namen JoinIn (MachMit) und hoffen darauf, dass Andere mit uns zusammenarbeiten. 

Unsere Ziele sind nicht träumerisch. Die Staaten haben diese Ziele schon in der UNO-Charta 1945 und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948 beschlossen; in Deutschland sind diese Ziele im Grundgesetz als Ziele der deutschen Politik festgeschrieben! Diese Vereinbarungen zur Gestaltung friedlicher, gerechter und solidarischer internationalen Politik waren die Lehre aus der Vielfachkrise Mitte des vorigen Jahrhunderts, dem Weltkrieg, Diktaturen und der Weltwirtschaftskrise, getragen vom Willen, so etwas nie mehr erleben zu müssen.

Da es uns vor allem darauf ankommt, dass sich Menschen zum gemeinsamen Engagement zusammenschließen, hoffen wir, dass sich mit der Zeit lokale und regionale JoinIn Gruppen bilden und inhaltliche JoinIn Gruppen wie JoinIn for peace oder JoinIn for social perspectives, u.a..

Wir bilden zunächst einen Diskussionskreis JoinIn für Menschen, die über die aktuelle Lage und ihre Hintergründe gemeinsam nachdenken wollen und über mögliche Einflussmöglichkeiten und sich dazu auch gemeinsam bilden wollen.

Wolfgang Lieberknecht
Email: joinin@gmx.de
Tel: 05655-924981, 017643773328

Zum 9. September 2016 riefen die beiden Bürgermeister von Treffurt und Wanfried zum Friedensmarsch auf. Im Kalten Krieg verlief zwischen der Stadt in Thüringen und Hessen, zwischen denen nur sieben Kilometer liegen, die Grenze zwischen West- und Ostblock. Am Friedensmarsch in beiden Orten beteiligte sich das russische Orchester aus Istra bei Moskau. Es war im Rahmen einer nach dem Ende des Kalten Krieges entstandenen Bürgerpartnerschaft nach Deutschland gekommen. Für die Demokratische Werkstatt Wanfried und die Initiative Black&White, die die Aktion angeregt hatten, hielt deren Koordinator, Wolfgang Lieberknecht, diese Rede.

Interview

Wanfrieder Menschenrechtler Wolfgang Lieberknecht erläutert Fluchtursachen

https://www.werra-rundschau.de/lokales/wanfried/wanfrieder-wolfgang-lieberknecht-bekaempft-fluchtursachen-12193706.html

Wanfrieder will mit Projekt Fluchtursachen bekämpfen: Eine Welt, die für alle funktioniert

https://www.werra-rundschau.de/lokales/wanfried/wanfrieder-will-projekt-fluchtursachen-bekaempfen-11795004.html

Die Initiative Black & White e.V. hat an der Offenen Schule Waldau einen Projekttag angeboten, in dem die Schüler spielerisch auf die Notlage Afrikas aufmerksam gemacht wurden.

https://www.mediathek-hessen.de/medienview_15559_OK-Kassel-Waldau-trommelt.html.

https://www.pressenza.com/de/2015/07/zivilisierung-der-gesellschaft-durch-annaeherung-fluechtlinge-gehen-in-schulen/ Zivilisierung der Gesellschaft durch Annäherung – Flüchtlinge gehen in Schulen

01.07.2015 – Johanna Heuveling

Zivilisierung der Gesellschaft durch Annäherung – Flüchtlinge gehen in Schulen
(Bild von Manuela Wilk, Ostseezeitung)

Minderheiten dürfen in Deutschland niemals mehr diskriminiert oder gar getötet werden. Das war eine der wichtigsten Antriebskräfte der 68er Bewegung. Nach den Brandanschlägen gegen Flüchtlinge in Rostock und Hoyerswerda konnte der Journalist Wolfgang Lieberknecht, nicht mehr in den Spiegel gucken: „Tue ich genug, um solchen Wahnsinn zu verhindern?“. Er hatte sich seit seiner Jugend  mit den Lebensbedingungen in den Gebieten beschäftigt, aus denen die Flüchtlinge jetzt kamen und wusste: „Viele kommen, weil es ihre einzige Überlebenschance ist.“

Aber was tun, um diesen Menschen Schutz zu sichern in Deutschland? Die Abschottungspolitik der Regierungen entsprach ja der gängigen Meinung der Menschen in Deutschland. Warum denken die Menschen so? Weil sie egoistisch sind und kein Mitgefühl haben? Solche gäbe es sicher auch, aber viele, so war Lieberknecht überzeugt, lehnten die Aufnahme von Asylsuchenden ab, weil sie diese Menschen nicht als Menschen kennenlernen und weil sie nichts wissen über die Gründe, die Menschen in die Flucht treiben.

Das Rezept also: Einheimische sollten Flüchtlinge kennenlernen, sehen, dass die auch aktiv etwas geben können und etwas von deren Lebensumständen verstehen.

Nicht gegen Etabliertes kämpfen, sondern etwas Besseres aufbauen

Lieberknecht zitiert einen seiner wichtigsten geistigen Vordenker Antonio Gramsci: „Die Zivilisierung der Gesellschaft geht über die Zivilisierung des Individuums.“ Von ihm hat er auch gelernt, dass es nicht reicht, etwas zu kritisieren, sondern dass man gleichzeitig etwas  Besseres aufbauen muss. Statt sich bei der Bekämpfung des Etablierten zu verausgaben, solle man ein gesellschaftliches Gegenbündnis schaffen, das erst die Meinungsführerschaft in der Gesellschaft übernehmen kann, um dann auch neue politische Entscheidungen zu erreichen. Dazu seien Persönlichkeiten nötig, die solche Bündnisse bilden können und zu deren Ausbildung wollte Lieberknecht beitragen, sowohl unter Migranten als auch in der einheimischen Bevölkerung.

Das waren die Gründungsgedanken des Vereines Black&White. Dieser Verein stellte Flüchtlinge als Musiker ein. Durch ihre eigene Arbeit in der Musikgruppe des Vereins konnten sie so viel Geld verdienen, dass der Verein ihnen dauerhaft Lohn zahlen konnte. Trotz Ablehnung ihrer Asylverfahren konnten sie mit Unterstützung von Parlamentariern und einem Landrat als Künstler mit Künstlerstatus in Deutschland bleiben.

Ohne Gerechtigkeit, wird die Gewalt auf der Welt weiter zunehmen

In der Musikgruppe Black&White spielen heute vier Migranten aus Afrika, Lieberknecht koordiniert die Veranstaltungen. Zusammen gehen sie an Schulen überall in Deutschland, wo sie Workshops geben, 80 bis 100 mal im Jahr. Das Programm besteht zu einem großen Teil aus afrikanischer Musik unterbrochen von kurzen, auf die jeweilige Altersgruppe zugeschnittenen Vorträgen über Afrika („die Heimat aller Menschen“), aussagekräftige Informationen zu den Lebensverhältnissen dort, immer auch in Bezug auf die Kluft, die zwischen den Kontinenten existiert, Einkommensverhältnisse, Rohstoffverkehr („jeder, der ein Handy oder einen Laptop benutzt, nutzt afrikanische Rohstoffe“), die Geschichte der Kolonialisierung, auch die Militärausgaben Deutschlands im Vergleich zu Entwicklungsgeldern („Mit einem Kampfflugzeug könnte man 40.000 Dorfapotheken aufbauen“). Die Botschaft: „Ohne Gerechtigkeit, wird die Gewalt auf der Welt weiter zunehmen.“ Die Lösung? Die UNO Charta, die Krieg und Gewalt verbietet, und die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die die Staaten verpflichtet, menschenwürdiges Leben allen Menschen zu sichern, sind die Dokumente, für deren Umsetzung die Gruppe trommelt und singt und tanzt. „Sie waren von den Staaten 1945 und 1948 als gemeinsame globale Verfassung beschlossen worden, wurden aber nur in Ansätzen umgesetzt. Die Kräfte, die von Ungerechtigkeit und Krieg profitieren, sind noch zu stark und verhindern das. Und viele andere, die es nicht tun, wissen nichts über diese Rechte und engagieren sich nicht politisch“, so Lieberknecht.

Aber vor allem wichtig bei den Schuleinsätzen sind die Workshops, in welchen die Schüler in kleineren Gruppen tanzen, singen und  trommeln lernen von  Afrikanern, manchmal sind das die ersten dunkelhäutigen Menschen, mit denen sie in so nahen Kontakt treten. Interessant findet Lieberknecht, dass in letzter Zeit vor allem Schulen im Ostteil Deutschlands sich für die Workshops von Black&White interessieren. Ob sie schon einmal negative Erfahrungen gemacht hätten? „Nein, Grundschüler gehen ohnehin offen auf Neues zu, aber auch in der Mittelstufe gab es nie ein Problem.“ Teilweise werden auch Eltern mit einbezogen in die Veranstaltungen.

Wie werden wir mit unseren globalen Problemen gemeinsam fertig?

Auf die Frage, ob er den Eindruck hätte, dass sich seit den Neunzigern in der Einstellung der Bundesbürger bezüglich Flüchtlingen etwas verändert hat, meint er: „Ja, sehr. Es gibt ein gewisses Erwachen seit dem Massenertrinken von Flüchtlingen im Mittelmeer. Das Leid kann man nicht mehr wegleugnen.“ Früher hätten sich die Leute eher in ihrem Wohlstand gestört gefühlt. Jetzt hätten viele das Gefühl, es muss was passieren. Zahlreiche Bürgerinitiativen, aber auch Kirchen beschäftigten sich jetzt mit der Aufnahme der Flüchtlinge. Aber er ist auch besorgt, denn es werden noch viel mehr kommen. Die Krise verschärft sich. „Die Welt fragmentiert sich wie nach 1929.“ Daher sei es wichtig, jetzt oppositionelle Kräfte aufzubauen, in die Zivilgesellschaft zu gehen und sich Gedanken darüber zu machen: Wie gestalten wir Europa? Wie bauen wir zivilgesellschaftliche Kräfte auf für eine gemeinsame Zukunft im Sinne der Menschenrechte?

Das sind große Visionen und der Verein Black&White trägt seinen kleinen Teil dazu bei, ohne das große Ziel aus den Augen zu verlieren. Der nächste Schritt, den sie vorhaben, ist die Gründung von „Eine Welt Schulen“ in Partnerschaft zwischen deutschen und afrikanischen Schulen. Dabei soll es nicht nur darum gehen, Geld in Deutschland zu akquirieren für Schulen drüben, sondern die Menschenrechtscharta und die globalen Probleme sollen in die Lehrpläne einfließen. „Wie werden wir mit unseren globalen Problemen gemeinsam fertig?“ als Leitfrage. Über das Internet, so schwebt Lieberknecht vor, sollen die Schüler über die Kontinente hinweg sich austauschen können.

Und hier gibt es noch einige Informationen zu Black&White:

Homepage des Vereines www.blackandwhite-schwarzundweiss.de oder Blog blackandwhiteinitiative.wordpress.com.

Berichte von regionalen Fernsehsendern in den neuen Bundesländern, in die die Gruppe Black&White seit einiger Zeit besonders oft eingeladen wird: Sachsen-Anhalt: https://www.youtube.com/watch?v=rFpgycL40GE,
Mecklenburg-Vorpommern: http://www.ruegen-tv.de/mediathek/Black_and_White-1522.html
Brandenburg: http://www.uckermark-tv.de/archiv/Black___White-4734.html

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